Erkenntnis

Selbst-Erkenntnis - Gnosis

Erkenntnis

Üblicherweise bezeichnet der in die Schrift-Sprache Deutsch übernommene Wort-Begriff Gnosis eine Erkenntnis als vermeintliches Wissen religiöser Zusammenhänge, [der Anruf vom Ganzen als Wesen]; eine persönliche Erkenntnis, welche die Gnostiker und die Gnostikerinnen nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. [Die gedankliche Warumfalle Geist führt zum Irrtum vom auserwählten Volk der Gnosis]. Der Ansatz der Gnosis ist dualistisch, d.h., gedacht wird in unüberbrückbaren Gegensätzen zwischen Gut und Nicht-Gut.

Aus diesem alle Agnostiker und alle Agnostikerinnen ausgrenzenden Gegensatz heraus wird unlogisch und sinnleer behauptet, Gnosis glaube nicht, theoretisiere nicht, baue keine Konzepte, stelle keine Hypothesen. Sie verkörpere Freiheit und eine die Menschen in ihrer Suche nach dem Sinn und Zweck ihrer Existenz, unabhängig von Kultur, Rasse und Geschlecht. Eine solche nicht ableit- und begründbare Annahme ist folgerichtig falsch weil diese Einbildungen sind bloss innerhalb der Gnosis logisch und sinnvoll gültig.

Tatsächlich nehmen die Eigenschaften gnostisch und agnostisch gleichermassen Bezug auf den Glauben als Vorstufe vom Denken [weiterlesen ... Die Entwicklung vom Glauben zum Denken].

Erkenntnis

Gnosis verstehen: Was meint Gnosis eigentlich mit Bezug auf den gedanklichen Inhalt? Was ist Gnosis?

Zielführend zur Erfassung von Gnosis als Erkenntnis ist die Einsicht, wie die früher während Jahrtausenden philosophisch und oder theologisch erklärten Zusammenhänge erst seit wenigen Jahrhunderten mehr und mehr zum Thema exakter Wissenschaften geworden sind. Erkenntnis [Gnosis] entsteht nur und ausschliesslich drei-einig durch einen hirn-technischen Vorgang im Kopf des Menschen: erkennen, unterscheiden, auswählen. Mit anderen Worten, zuerst, Gnosis [Erkenntnis], welche sich selber als solche bezeichnet, ist keine Gnosis, sondern eine beliebige Ideologie, also eine Lehre von Idee, Vorstellung, Werturteil, Begriff und kann stellvertretend Verwendung finden zu Weltanschauung, basierend auf dem entsprechenden Weltbild.

Folglich wäre jenes, was inhaltlich als Gnosis erfasst und bezeichnet werden könnte, zu unterscheiden vom selben Begriff Gnosis in Literatur und den Nachschlagewerken mit Bezug auf religions-wissenschaftliche Zusammenhänge in historischen Vorgängen. Kurz, wenn diese oder jene ihre spezielle Betrachtung als Gnosis bezeichnen oder bezeichnet haben, so entsteht oder entstand dadurch dennoch keine Gnosis im eigentlichen Sinn von Erkenntnis, sondern bloss eine fixierte Idee von Menschen, zu welchem Zweck auch immer.

Die Eigenschaften a-gnostisch [= nicht wissen, unbekannt, unerkennbar] und gnostisch [= wissen, bekannt, erkennbar] beziehen sich als Dualität auf denselben Gegenstand innerhalb einer bereits vorweg behaupteten Annahme. Vergleichbar mit a-theistisch und theistisch. Vom Denk-Modell her allesamt gläubige Vorstellungen. Beide haben gleichermassen einen bloss vermuteten Gegenstand als Grundlage und argumentieren mit Behauptung ohne Begründung, nämlich einer vermeintlichen Transzendenz bzw. einem Wahn der Sinne. Das dem normal gesunden Menschen angeborene Glauben als Funktion betrachtet entspricht heute vielleicht in etwa den Vorstellungen der agnostisch Denkenden. Die Lehre von der Unerkennbarkeit des Seins beinhaltet bereits das funktionelle Prinzip von angeblicher Wahrheit und ist vermutlich die normale Denkart der Mehrheit, die auf der jetzigen Evolutionsstufe tatsächlich selber nie über die Normalität ihres persönlichen Zustandes hinausblicken wird, weil sie nur und ausschliesslich durch so genannte Spinner ab und zu an die Realität erinnert werden kann.

Eine der heute beliebtesten Ausreden zur Umgehung von Gedanken besteht nun aber a-gnostisch in der eigentlichen Negation der selber geglaubten Transzendenz in dem Sinne, dass sich der Mensch seine Existenz nicht zu erklären vermöge. Fragt sich bloss, was denn mit diesem Ansatz geklärt werden soll. Wenn die Hauptaufgabe der Sinnesorgane darin besteht, all jene Reize zu unterdrücken, die als Realität ständig vorhanden sind, dann ist der die Wahrnehmung verlassende Bereich, die Transzendenz, in der absolut weltlichen Normalität von Wirklichkeit zu vermuten. Denken ist vor allem darum ausgesprochen unangenehm, zeitraubend und anstrengend, weil dabei gedanklich auch jenes gesehen werden muss, was nicht sichbar ist, was spirituell ist.

spirit beginnt mit nichts

Die Spiritualität aus dem lateinischen, die Psyche aus dem griechischen und der Geist aus dem germanischen meinen nicht denselben Gegenstand; diese Begriffe sind zu unterscheiden und vorgängig je für sich in ihrer Bedeutung zu erfassen. Vor allem ist zu vermeiden, aus der standard-deutschen Schrift-Sprache heraus andere Kultur zu vereinnahmen, weil, wird irgend etwas behauptet, so sind diese Behauptenden in der Pflicht zum Nachweis von diesem Etwas. Beispielsweise die Einbildung einer natürlichen Erscheinung als Geist, weil, was ist Geist?

Spirituelles beginnt bei Nichts, der psychologischen Leere, weil, was kann denn NICHTS sein wenn nicht auch ETWAS? Einerseits ist nichts im Sinn von nicht vorhanden der logische Gegensatz von alles als Dualität, andererseits kann und wird sich ALLES selber aus dem NICHTS erschaffen als Polarität, weil ein erkanntes Natur-Gesetz die Schwerkraft nachweist. Ein direkter Hinweis auf die Entstehung von Etwas aus dem Nichts zeigt die Beobachtung, wie im leeren Raum durch Energie-Schwankungen virtuelle Teilchen entstehen und zerfallen ohne jeglichen Einfluss [Vakuum-Fluktuation]. Umgekehrt kann sich Masse durch hohe Gravitation in Energie auflösen, vom materiellen her gesehen in Nichts.

Spontane Schöpfung, mit anderen Worten, ist der Grund, warum statt dem Nichts ein ETWAS sichtbar ist, warum das Universum existiert, warum [wir], die Menschen existieren.

Allerdings, der Oberbegriff Universum ist zu erfassen als gedanklicher Platzhalter für all-es, Ganzes, Welt etc. und bildet den Gegensatz zum Unbekannten als Nichts. Auch das Wort Materie ist philosophisch ideologisch vorbelastet und nach Möglichkeit zu vermeiden. Seit anfangs 20. Jahrhundert sind Energie und Masse gleichwertig, äquivalent und Materie demnach eine Form der Energie-Bindung. Ebenfalls zu den wichtigen Konstanten im Denken gehört die Vorstellung davon was Zeit bedeutet und deshalb ist die Unterscheidung im Ansatz auch zielführend, ob gedanklich von Zeit-Messung oder Nicht-Zeit-Messung ausgegangen wird.

Ein tatsächliches, ein reales Jetzt kann, wie die Unschärfe-Relation nachweist, nicht mit Zeit fixiert werden, ist demzufolge ohne Anfang und ohne Ende, ist zeitlos und dadurch auch ausserhalb von Ursache und Wirkung. Der eingrenzende Gegensatz von Werden und Vergehen erfasst jenes etwas dazwischen und basiert auf dem die menschliche Vorstellung prägenden Tag-Nacht-Wechsel, ist nur innerhalb einer fixen Zeit-Messung gültig und setzt die Kausalität voraus [welche sich nicht selber begründen kann]. Die Vorstellung einer Existenz an sich, das Sein in der Schrift-Sprache Deutsch, macht unbegründet etwas zum Gegenstand was gar nicht ist.

Der Mensch als Mensch ist Mensch [nicht tautologisch, sondern vegetativ, sensitiv und kognitiv]. Die Grund-Annahme des menschlichen in Form der logischen EINS als Gegensatz der NULL, [Wer bin ICH?], ist gedanklich und hat mit dem organischen Körper nichts zu tun. Davon ausgehend, dass bereits die vom Menschen erfassbare Singularität paradox eine Dualität ist, nämlich entweder Chaos oder Ordnung, bilden die Gegensätze von bekannt und unbekannt als ein Neutrum dazwischen jenes zu erkennende ETWAS oder ES, welches anschliessend unterschieden werden und zu einer wählbaren Schluss-Folgerung führen kann. Mit Bezug auf Zeit müsste demnach stets unterschieden werden zwischen fixierter Zeit-Messung mit Anfang und Ende [linear-historisch oder Ursache und Wirkung] und nicht fixierbarem Jetzt als, paradox, zeitlose Zeit, ewig, unvergänglich.

Angeboren ist, wie die Forschung der Hirn-Entwicklung nachweist, jedem Menschen ein dreistufig dreieiniges Denk-Muster schon seit bzw. durch die erste organisch lebendige Zelle, deren Stoff-Wechsel mit Innen und Aussen diese Funktion bedingt:

1. erkennen [= können], 2. unterscheiden [= wahren], 3. auswählen [= folgern].

Jedes menschlich gedankliche ist dadurch in einem übertragenen Sinn ebenfalls etwas organisches, etwas lebendiges. Die Gedanken selber sind aber gegenständlich [weiterlesen ... Was sind Gedanken?]

Unabhängig davon, welches Ergebnis, welche Schluss-Folgerung vorhanden sei, allen Menschen gleichermassen angeboren ist: zuerst erkennen, da ist etwas. Erst danach kann dieses etwas verglichen werden mit dem bereits bekannten und zuletzt eine je nachdem folgerichtige Auswahl getroffen werden. Durch ein kennen können [= erkennen] von etwas kann Einsicht entstehen für zusammenhängendes als Erkenntnis. Wird bereits ein erahntes oder gefühltes etwas noch unbekanntes als erkannt benannt und unter dem Titel wie Erkenntnis oder Gnosis in die Mitte der Betrachtung gestellt oder behauptet, entfällt ein erkennen mit Bezug auf unterscheiden als Wissen schaffen, wird ersetzt durch ein sich von irgend etwas nach wie vor unbekanntem zuerst angesprochen zu wissen zu wähnen, zu meinen [und dieses eingebildete dann womöglich auch noch zu glauben]. Gnosis = Erkenntnis. Ein [er]kennen ist unmittelbar von können abgeleitet, ein Kausativ, in dessen ursprünglicher Bedeutung wissen, verstehen und eigentlich = verstehen machen. Mit können wird angesprochen: gedanklich vermögen, verstehen; ursprünglich = kennen, wissen.

Mit anderen Worten: erkennen ist zu können!

Die logische Grundlage von erkennen ist der Gegensatz von bekannt oder unbekannt als Dualität zwecks herauslösen von strukturierter Ordnung aus dem Chaos der Natur. Mit dem 1. erkennen untrennbar verbunden ist ein vergleichendes unterscheiden von diesem etwas durch ein sich dessen ge-war werden, was da erkannt ist, zu sein scheint.

gewar werden, waren [wahren] = gedanklich sehen
war-nehmen [Schweizer-Deutsch nicht gleich wahr] ; mittelhochdeutsch = beachten

Das ursprünglich in allen germanischen Sprachen verbreitete Wort wahren [wara, waren] sei im hochdeutsch erst um 1770 wieder in Aufnahme gekommen [Wörterbuch-Netz]. Die aktuelle Verwendung in der Schrift-Sprache Standard-Deutsch sowohl in der Form von wahr im Sinn gleich nicht falsch als auch von war in der Grammatik im Sinn der persönlichen Vergangenheit ist irreführend und unlogisch. Dadurch wird der logische Zugang zum Oberbegriff von Wahrheit verunmöglicht.

Tatsächlich ist wahren die unmittelbar vergleichend unterscheidende Erfassung von Information als Vermittung von Unterschied beim erkennen, also die Dualität von wahr oder falsch auf der Grundlage der momentan verfügbaren Bedingungen, individuell abhängig von bestehendem Wissen und Erfahrung.

Jenes vorher unbekannte etwas wird durch erkennen = kennen können [nur und ausschliesslich dieses] und wa[h]ren zum nachher bekannten war in der Erinnerung welches tatsächlich wahr ist innerhalb der persönlich als folgerichtig gedachten Zusammenhänge - wird zur Erkenntnis eines in Entwicklung befindlichen Denken der Menschen vor allem durch die Freiheit der unbehinderten Entfaltung.

Selbst-Erkenntnis

weiterlesen ... Selbst-Zweifel - die normale Toleranz der Selbsterkenntnis: Wer bin ICH?

© bzw. Autor: Rolf Pfister Zürich
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