Ethik aus Erkenntnis [Gnosis]

Moral - Ethik aus Erkenntnis [Gnosis]

Als allgemeine Ethik werden heute jene Gedanken verstanden, welche Kriterien aufstellen für richtiges oder falsches Handeln sowie die Bewertung der Motive und Folgen. Mit anderen Worten: Unter dem Titel von Ethik wird für angeblich allgemein verbindlich erklärt die persönliche Meinung von Menschen, welche [im Umkehr-Schluss verstanden] behaupten, zu wissen was richtig oder falsch sei?

Ethik als Teil der althergebrachten früheren Philosophie wäre demnach zu unterscheiden von der Sitte [Moral]. Moral ist stets die Moral von einer Geschichte als erlebte Gegenwart in der Vergangenheit. Tatsächlich kann jenes was richtig ist oder falsch gewesen ist erst im Rückblick auf Erfahrung gemessen werden.

Im politischen Gedanken-Austausch wird das private, vom jeweiligen Wissen abhängige Welt-Bild und Bild vom Menschen von Teilnehmenden durch die Ethik-Kommissionen und Ausschüsse zu einer vermeintlichen Grundlage. Eine als religiös zu erfassende Glaubens-Frage resp. das Glauben-Bekenntnis verdrängt die Sache selber. Die Wunsch-Vorstellung wird zum Ideal und befördert einen Machbarkeit-Wahn. Ethik ist heute ein Missbrauch von Politik zwecks Begründung von Recht ohne Pflicht. Die sachlichen Elemente der Moral [= Sitte, sittlich] können nämlich allesamt abgeleitet werden ohne ethische Behauptungen; angefangen bei dem als sozial bezeichneten Merkmal der Menschen als Wesen einer Gattung: der Kooperation.

Wille und Zustimmung im Wechsel von
zusammen-wirken und zusammen-gehören

[Kooperation, Akzeptanz, Solidarität]

Nebst Veränderung [Mutation] und Auslese [Selektion] hat Kooperation [Zusammen-Wirkung] eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Leben. Die Kooperation ist bereits auch auf der molekularen Ebene zu finden: Aminosäuren verbinden sich zu längeren Ketten und bilden Proteine, ohne die das Leben, so wie Menschen dies kennen, nicht möglich wäre. Das später als sozial bezeichnete ist schon lange vor dem gedanklichen auf der vegetativen Stufe der Mensch-Werdung vorhanden als kooperatives Wesens-Merkmal der Gattung.

Diese grundlegende Moral der Kooperation bedarf keiner Auslegung, sie ist bis auf den heutigen Tag subjektives Recht der ungeschriebenen Gesetze. Eine soziale Gemeinschaft von Menschen als Kultur formt sich selber sittlich [Sitte] durch Brauch und Gesetz.

Der Wille von Menschen umfasst auch die Selbst-Aufgabe des eigenen ICH [Ego] durch die Absicht "nur über meine Leiche". Erst in der Polarität von Geburt und Tod erscheint die unvergängliche Seele mit der Sinn-Frage. Der Sinn vom Leben der Menschen ist die Gegenwart als einziger Möglichkeit, Vergangenheit und Zukunft so miteinander zu verbinden, wie das für richtig erachtet und entsprechend gestaltet wird. Falls über die Wiederholung von persönlicher Gegenwart die Kooperation entscheidet, wäre dies vermutlich die einzige Möglichkeit für eine Legitimation von Moral, was sinngemäss der Option Ewigkeit entspricht.

© bzw. Autor: Rolf Pfister Zürich
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