Biografie von Rolf Pfister in Zürich


Umzüge und Transporte

Nach unserem Wohnungswechsel 1982 hatte ich das frei gewordene Wohnzimmer im Lebensmittel-Geschäft in ein Arbeit-Zimmer mit Büro-Pult umgewandelt und wollte eigentlich mit Treuhand beginnen. Durch ein Inserat in einer Verein-Info im Zürcher Taxigewerbe hatte ich auch schon ein paar Kunden. Als 1983 der Transport hinzu kam, mietete ich in Zürich-Seebach ein Lokal mit zwei Schaufenstern und zwei Parkplätzen vor dem Haus als Büro und Raum für Einlagerungen. Für die 50 Quadratmeter wurden 500 Franken verlangt monatlich. Doch dann scheiterte die Zusammen-Arbeit mit unserem Wohnungs-Nachbarn und wir standen plötzlich allein da mit vier Geschäften und deren Verpflichtungen.

Was tun? Die Kombination von Transport-Taxi und Personen-Taxi war die rentabelste Variante und so konzentrierte ich mich nach der Liquidation vom Lebensmittel-Geschäft auf den Anschluss-Vertrag bei der Firma Welti-Furrer, Nr. 1 für Umzug und Transport auf dem Platz Zürich und behielt meine Taxi-Betrieb-Bewilligung und den Taxi als eiserne Reserve zur Existenz-Sicherung.


Meine Fahrzeuge für Kurierdienst, Umzüge und Transporte

Die Welti-Furrer hatte damals nebst ihrem eigenen Fuhrpark ein internes Profit-Center für Kleintransporte mit sechs angeschlossenen selbständig Erwerbenden und deren Lieferwagen. Zugeteilt wurden die Aufträge zentral von zwei Mitarbeitern in der Disposition. Vorrang hatten ihre eigenen Fahrzeuge, wir angeschlossenen dienten zur Abdeckung von fehlenden Ressourcen. Mithilfe als Zügelmann oder zur Verfügung stellen mehrerer Zügelmänner, Lieferung von Packmaterial, Einpacken vor Umzügen, interne Umstellungen in Firmen, Klein-Transporte und kurzfristig eintreffende Transport-Aufträge (per Piepser mit Rückruf). Etwa ein Drittel unserer Einsätze bestand aus Daueraufträgen nur für uns, welche im Turnus zugeteilt wurden. Essentransporte für den SV-Service, Filial-Touren für Csuka-Schuhe und Pestalozzi-Bibliothek und dergleichen mehr. Am späteren Nachmittag vom Vortag waren die Aufträge für den nächsten Tag bekannt und wir wurden telefonisch nach Hause informiert (oder konnten selber nachfragen), ob und zu welcher Zeit wir diese auf der Disposition abholen konnten. Zwecks Abrechnung mussten die erledigten Aufträge im jeweils zuständigen Büro in eine Kredit-Lochkarte umgetauscht werden für die gesammelte Monats-Abrechnung. Eventuelle Bar-Einnahmen waren vorgängig auf dem Kassa-Büro abzuliefern. Durch unseren Eintrag, kein Transport zu klein um ein Auftrag zu sein, im gelben Branchen-Verzeichnis erhielt meine Frau am Telefon zu Hause schon bald auch direkt Aufträge.

Den Lieferwagen von meinem Nachbarn übernahm ich in einem schlechten Zustand, er musste nach einem Jahr durch einen neuen ersetzt werden. Damit ich wie einige meiner Partner-Kollegen auch grössere Aufträge übernehmen könnte, kaufte ich zusätzlich von einer Auto-Verleih-Firma einen 18 Kubik Alu-Kasten-Lieferwagen und nahm diesen auf Wechsel-Nummer mit der 9 Kubik VW-Typ2-Camionnette. Die AVIS verkaufte ihren über vierzigtausend-fränkigen Mercedes-409-Lieferwagen einjährig für 18000 Franken. Besser neuwertig mit viel Kilometer als alt mit wenig, das stimmte. Ich hatte mit dem Wagen die nächsten zehn Jahre kein einziges Problem.

Mit Transport war viel Geld zu verdienen und ich kniete mich voll rein in dieses abwechslungsreiche Geschäft. Die Hilfskräfte, Gelegenheit-Arbeiter von der Brücke beim Güterbahnhof, kannten mich und wir konnten gegenseitig wählen, wer mit wem oder nicht. Jene mied ich eher, welchen ich vor der Arbeit zuerst in der nahen Schönau eine Flasche Bier bezahlen musste, damit ihre Hände aufhörten zu zittern und sie einsatzfähig waren. Der Tarif der Brücke war 20 Franken pro Stunde bar in die Hand. Verrechnen konnte ich 44 Franken pro Mann-Stunde. Das Transport-Gewerbe unterstand der obligatorischen Unfall-Versicherung SUVA, deren Inspektor, auch für die AHV zuständig, regelmässig bei mir zu Hause die Buchhaltung überprüfte. Ich sparte nie am falschen Ort und so hatte ich in meinen 40 Jahren Selbständigkeit kein einziges Problem, weder mit den Sozial-Versicherungen noch mit dem Steueramt.

Ein Limousinen-Service der Welti-Furrer vermittelte uns auch Gepäck-Transporte von arabischen Prinzen-Familien, da spielte Geld keine Rolle. Ich erhielt, zum Beispiel, eine Bestellung auf zehn Uhr vormittags ins Grand Hotel Dolder zum Gepäck-Verlad nach Genf in ein anderes Erste-Klasse-Hotel. Der Prinz schlief noch und durfte nicht geweckt werden. Also stundenlanges Warten zum regulären Transport-Stunden-Ansatz bis er dann um 14 Uhr wach war. Mit dem Gepäck und einem seiner Sklaven als Aufpasser neben mir in der Fahrerkabine nach Genf, (ich musste dann ja wieder zurück), der Prinz fuhr im Rolls Royce im Konvoi mit fünf weiteren Luxus-Limousinen, das Harem von zwölf jungen Frauen im Auto-Car und sein Jumbo-Jet flog leer von Kloten nach Genf.

Durch Vermittlung von Welti-Furrer erhielten wir ab und zu auch mehrtägige und mehrwöchige Aufträge für einen Lieferwagen mit Fahrer, wie Hauslieferdienst für Warenhaus Sankt Annahof oder UPS Paketdienst. Mit meiner Arbeit im Arbeit-Anzug der Welti-Furrer sah ich so beiläufig in manche Villa oder Wohnung von Super-Reichen in der Region Zürich, manchmal für mehrere Tage, etwa wenn wir zu zweit beim Erneuern der Spann-Teppiche für das verschieben der Möbel zuständig waren.

Mitte der 80-er kam bei multinationalen Firmen das Auslagern (Outsourcing) in Mode. Welti-Furrer erhielt einen solchen Auftrag und lagerte gleich weiter aus, fragte mich an, ob ich zwei Lieferwagen inkl. Fahrer für die interne Post der Firma IBM zur Verfügung stellen könnte. Ich unterschrieb den Vertrag, kaufte 1986 zwei fabrikneue Toyota Liteace und suchte zwei Chauffeure. Mit beidem hatte ich Glück. Die Autos liefen über Jahre kostengünstig und problemlos, die beiden Fahrer wurden zuverlässige und langjährige Mitarbeiter. 1988 kam noch ein dritter Neu-Wagen mit Fahrer dazu. Als letzter Sub-Unternehmer entschädigte ich die Angestellten immer 10% über dem gewerkschaftlichen Mindestlohn. Die Welti-Furrer übertrug den Vertrag später unverändert an die Luwa Engineering. Eine weitere neue Logistik-Firma übernahm den Auftrag ab Ende der 90-er mit eigenen Fahrzeugen.

Bei internen Umstellungen in Betrieben kam vor, dass uns zwei Haustechniker vom Betrieb in blauen Kitteln zusahen wie wir in wenigen Minuten ein paar leichte Büromöbel von einem Raum in einen anderen verschoben und ihrer Firma dafür mit Fahrtzeit neunzig Minuten Umzug-Tarif in Rechnung gestellt werden musste. Das war dann sozusagen die Auslagerung auf Stufe der Angestellten.

1985 kaufte ich meinen ersten Computer, einen Sanyo MBC, System DOS, noch ohne Festplatte mit zwei 360KB-Disketten-Laufwerken, eines für Programm, das andere für Daten-Speicherung. Dazu kaufte ich ein Buchhaltung- und ein Schreibprogramm. Am dunklen Bildschirm blinkte bloss ein grüner Cursor, ich hatte noch keine Ahnung und lernte mit dem Handbuch autodidaktisch, ständig unterbrochen vom nervigen Error-Piep, was ein Betrieb-System mit seinen DOS-Befehlen ist und wie das Gerät im Innern funktioniert. Danach folgten ein IBM-PC mit Windows 2.0, ein Fujitsu-PC mit Windows 3.11, ein HP-(Hewlett- Packard)-PC mit Windows 98 und Internet-Anschluss ab dann, ein HP-PC mit Windows XP und danach wiederum HP-PC mit Windows 7 und später 10. Die Geräte kaufte ich immer mit dem vorinstallierten neuen und daher passenden Betrieb-System. Bei Bekannten wurde ich in den 90-er Jahren zur helfenden Auskunft bei Fragen den Computer und Windows-System betreffend.

Mit Trag-Gurten bewegten wir auch mehrere hundert Kilo schwere Lasten zu zweit. Selber brachte ich rund hundert Kilo auf die Waage. In einer Wendeltreppe mit einem Klavier im Gurt spürte ich ein brennen im Kreuz, schenkte dem aber weiter keine Beachtung. Am nächsten Morgen konnte ich nur noch kriechen, mein rechtes Bein war lahm, erholte sich aber von selbst wieder. Schon Jahre zuvor bekam ich in Italien im Camping-Urlaub vom Arzt mal eine Aspirin-Spritze, nachdem ich mir beim aus dem Sand heraus stossen meines Autos den Rücken verknackt hatte und kaum mehr gehen konnte. Zum Arzt ging ich diesmal, als mir plötzlich der Nerv einklemmte. Diesen Schmerz, welcher dir sofort die Tränen fliessen lässt bis er beim wälzen auf dem Boden wieder nachlässt, wollte ich nicht nochmals erleben. Nach dem röntgen wurde eine Diskushernie zwischen Lenden-Wirbeln festgestellt und eine mehrmonatige Streck-Therapie (zwei Mal wöchentlich) angeordnet, welche tatsächlich Linderung brachte. Vom Militär wurde ich, mit 545 geleisteten Dienst-Tagen, für untauglich erklärt und entlassen. Leicht behindert arbeitete ich trotzdem weiter wie eh und je. Wie vom Hausarzt voraus gesagt, vertrocknete die Diskushernie und ich war nach ungefähr zehn Jahren wieder völlig Beschwerde frei.

Nach einer weiteren mehrere Monate dauernden Rücken-Streck-Therapie suchte ich für den Transport-Taxi-Anschluss bei Welti-Furrer einen Angestellten. Den geeigneten starken Mann für diese selbständige Arbeit zu finden war aber nicht einfach, ich hatte oft Wechsel und musste nach Einarbeitung ständig bereit sein einzuspringen bei Ausfall.

Weil unser Chauffeur bereits im Besitz eines Auftrages war, informierte eines Morgens die Kriminalpolizei uns als Arbeitgeber, sie hätten heute früh zwei unserer Fahrer verhaftet. Unseren Transport-Taxi-Fahrer und seinen ihm von früher her bekannten Kollegen, unseren Nacht-Kodak-Tour-Fahrer. Vor zehn Tagen erhielt meine Frau telefonisch den Auftrag, im Zollfreilager Zürich eine Sendung abzuholen und an die Rampe im Airgate-Haus in Zürich-Nord zu bringen, wo der Transport bezahlt würde. Der Chauffeur telefonierte dann, er bekäme die Ware nur gegen Bezahlung von 600 Franken, was wir ablehnten und den Auftrag als Fehlfahrt abschrieben. Obwohl er die Ware nicht entgegen nahm, wurden er und sein Kollege zehn Tage später verhaftet und gleichen Tages wieder entlassen? Ein ziviler Kripo-Beamter kam auch noch bei mir vorbei und nahm Tipp-Muster von meinen Schreibmaschinen zu Hause und im Büro in Seebach. Von diesem erfuhr ich, in der Sendung mit Bettwäsche aus Indien seien Haschisch-Platten versteckt gewesen und meine beiden Chauffeure wären vor Jahren schon einmal zusammen in eine Drogen-Sache mit Haschisch-Öl verwickelt gewesen. Mehr dazu erfuhren wir nicht.

Zu Hause war meine Frau Trudi, die perfekte Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Sie lebte für ihre Familie, organisierte die Pflege der sozialen Kontakte und sorgte für das Wohl ergehen aller. Auch mir bereitete sie stets noch eine warme Mahlzeit bei meinem unregelmässigen Arbeitsende im Transport-Geschäft, manchmal erst spät nachts. Ab 1988 konnte ich Verspätungen wenigstens mit dem Mobil-Telefon melden. Für 2500 Franken hatte ich ein Mobiltelefon Motorola Natel C gekauft, jenes mit noch 3.5 Kilogramm Gewicht wegen der schweren Batterie, im Auto aufladbar. Trudi war auch die Schnitt-Stelle am Telefon für das Geschäft.

Im Wohn-Quartier war Trudi gut vernetzt, ist sie doch im gleichen Haus aufgewachsen, wo wir jetzt wieder wohnten. Regelmässig traf sie ihre drei Schwestern am Mittwoch-Nachmittag an unserem Küchen-Tisch. Der Donnerstag-Vormittag gehörte einem Dunschtig-Klub genannten Treff von acht Frauen bei immer derselben Nachbarin. Zur Fasnacht zogen diese jeweils verkleidet zum Anlass im nahe gelegenen Saal der katholischen Kirche.

Während acht Jahren war ich als Kassier ein Mitglied der vier-köpfigen, ehrenamtlichen Siedlungs-Kommission, welche die verschiedenen Anlässe durchführte: Die Mieter-Versammlung in einem Saal mit Tombola und Tanz-Musik bis zwei Uhr. Vor den Schul-Sommer-Ferien das Genossenschaft-Fest mit Festzelt, Wirte-Patent und Verlängerung der Polizeistunde samstags bis 2 Uhr. Ein grosses Feuer auf der Hürst-Wiese mit Samichlaus für die Kinder. Im Frühling eine Bluescht-Fahrt für die Pensionierten mit Privat-Autos. Trudi übernahm auch für vier Jahre die Führung und Reinigung vom zentralen Wasch-Salon der Siedlung gegen Entgelt.

Im Männerchor Zürich-Affoltern sang ich fünf Jahre lang mit als 2. Tenor Bariton mit wöchentlicher Probe am Donnertag-Abend. Eine Nachbarin begleitete ich auf Anfrage hin zwei Jahre zum Mitsingen im Gospelchor Dübendorf jeweils montagabends. Der polyphone (mehrstimmige) Gesang in der Gruppe ist ein ganz spezielles Gefühls-Erlebnis. Mit der meist möglichst anspruchsvollen und kompliziert hoch gegriffenen Lieder-Auswahl zum Vortrag und dem Vereins-Leben konnte ich mich aber nie anfreunden. Ich erstellte ein Volkslieder-Textbuch mit 148 Titeln und zusammen mit meiner Frau und einer Gitarre spielenden Freundin eröffneten wir 1993 einen privaten Sing-Treff. Bis zu 14 befreundete Personen trafen sich während sieben Jahren monatlich im Siedlungs-Lokal einer Baugenossenschaft zum Gesang mit anschliessendem Umtrunk samt Essen. Wir sangen nun vielstimmig, was aber nicht störte, weil niemand bloss kritisch zuhörte.

Anfangs der 90-er lernte ich autodidaktisch die Programmierung von Computer, zuerst die Sprache Basic und konnte später mit dem Programmier-Tool Clipper einem Männerchor-Kameraden ein funktionierendes DOS-Programm mit verbundenen Datenbanken für seinen Laptop erstellen.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen fuhren wir jeden Sommer für zwei Wochen mit dem Auto nach Italien ans Mittelmeer. Ausser diesen zwei Wochen machten wir keine Ferien, sondern waren stets zu Hause.

Mehr per Zufall kam ich bei einem zwanglosen Gespräch mit dem für uns bei Welti-Furrer verantwortlichen Direktor auf meinen Taxi-Anschluss bei der Taxiphon zu sprechen, worauf mir dieser den Rat gab, ich sollte unbedingt zur Nr. 1 wechseln, der Taxi-Zentrale-Zürich. Die würden im Moment zwar keine Neuen mehr aufnehmen, aber er könne das vermitteln. Gesagt getan. Einen Monat später hatte ich den rio156 im offenen Sprech-Funk bei 449944 gegen den züri449 im modernen Daten-Funk bei 444441 ausgewechselt.

Ich fuhr nun vorwiegend Taxi, erfolgreich, oder arbeitete als Ferien-Ablösung meiner Kurier-Chauffeure mit fixen Touren. Als ich kaum noch Aufträge für leichtere, den Rücken schonende Tätigkeiten vermittelt bekam, kündigte ich meinen Transport-Anschluss bei Welti-Furrer.