Biografie von Rolf Pfister in Zürich


Taxihalter Stadt Zürich

Wie im vorhergehenden Kapitel "Selbständigkeit" beschrieben, kam ich 1980 zum Taxi wie die Jungfrau zum Kinde. Ich war vom ersten Tag an selbständiger Taxihalter mit einer B-Bewilligung, vorerst ohne Zugang zu den städtischen A-Taxi-Standplätzen. 1982 wurden alle B- in A-Nummern umgewandelt. Mit dieser Abschaffung der B-Bewilligungen wurde auch die langjährige Unsitte beendet, dass die A-Halter weitere Nummern lösten und diese teuer an B-Funk-Taxis vermieten konnten. Vom Taxifahren wurde ich bis 2002 nie abhängig, sondern betrieb mein Taxi als Nebenbeschäftigung zum Lebensmittel-Geschäft und zum Transport-Geschäft. Immer unter möglichster Einhaltung der Eidg. Arbeits- und Ruhezeit-Verordnung (ARV), was mir ohne jeden Druck auf der Einnahmen-Seite problemlos möglich wurde . Mancher Kundschaft ist dies auch aufgefallen, wenn sie bemerkte, ich wäre anderes als die ihnen schon bekannten Taxifahrer.


Taxi ist mehr als nur Autofahren

Begonnen hatte ich 1980 mit einem Sprech-Funk-Anschluss bei der Bestell-Vermittlungs-Zentrale Taxiphon in Zürich. Im Wagen ein tickender, mechanischer Kienzle-Taxameter, welcher im 20-Rappen-Intervall laut hörbar klackte. Dazu vorgeschrieben, nebst Taxi-Schild, ein Fahrtenschreiber, eine Überfall-Alarm-Anlage mit Zweiklang-Horn und ein Stadtplan. Der Funkverkehr auf den zwei Kanälen konnte von allen mitgehört werden, was automatisch zur gegenseitigen Information und Kontrolle führte mit Bezug auf Bestell-Vergabe und Standplatz-Reihenfolge. Per Funk wurde der Disposition das Fahrt-Ziel oder der Standort mitgeteilt und quittiert mit der Warte-Position für einen neuen Auftrag. Für die Funk-Taxis hatten die Bestell-Zentralen ihre eigenen Standplätze vor allem bei Hotels, Spitälern oder anderen Orten mit Fussgängern.

Schon nach wenigen Wochen verursachte ein das Rotlicht missachtender Fahrzeuglenker einen Totalschaden an meinem Neuwagen. Dank Augen-Zeugen wurde mir der Schaden komplett ersetzt durch ein gleiches Modell, ebenfalls neuwertig, die Farbe aber nicht mehr Bronze, sondern Dunkelblau. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich ein neuer elektronischer Taxameter eingebaut an Stelle des tickenden Alten.

Von der Taxiphon wechselte ich zur TZZ, der Taxi-Zentrale-Zürich, Nr.1 auf dem Platz mit rund 350 Taxi. Mit dem Daten-Funk entfiel das für Fahrgäste eher belästigende Sprechen mit Knacken und Rauschen. Die Disposition erfolgte nun durch einen Computer mittels Eingabe von Sektoren-Nummern und einem Display-Gerät, welches die Bestellung schriftlich anzeigte.

In der Silvesternacht 1992 startete mit rund 200 angeschlossenen Taxi, welche die TZZ nach einer unfreundlichen Übernahme verlassen wollten, die neue Zentrale Taxi2000, später in Taxi444 umbenannt. Die Vermittlungs-Zentrale mit Datenfunk gehörte einer von uns gegründeten Genossenschaft, was jedoch nicht verhindern konnte, dass nach zwei Jahren die Anzahl der beteiligten Taxi massiv erhöht wurde zum Schaden aller Bisherigen. Als ich deswegen bloss noch etwa die Hälfte an Bestellungen erhielt wie vor der Aufstockung, kündigte ich 1995 und fuhr seither ohne Zentralen-Anschluss. Ich führte keine Taxi-Bestellungen mehr aus und arbeitete auf der Strasse mit Passanten.

Die selbständigen Taxis konnten ihre Arbeitszeit frei selber bestimmen. Ich fuhr mal früh, mittel oder späte Schichten. Ohne Funk arbeitete ich gezielt in den Zeiten mit der stärksten zu erwartenden Nachfrage am Abend und nachts. Die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Arbeits-Pausen verbrachte ich, wann immer möglich, zu Hause. Meine Ruhezeit-Kontrolle wurde in den 36 Jahren meiner Taxi-Tätigkeit lediglich drei Mal polizeilich überprüft, immer ohne Beanstandung.

Für mich, der ich schon jung das Autofahren als meine liebste Freizeit-Beschäftigung ausübte, war das Fahren kein arbeiten. Die Arbeit erledigte der Auto-Motor. Der Umgang mit Kundschaft war vor allem psychologisches Einfühlungs-Vermögen. Mit meinen feinen Antennen hatte ich damit kein Problem. In all den Jahren wurde ich nie überfallen oder ernsthaft bedroht. Vielleicht auch, weil ich nicht alle Fahrten bedenkenlos machte, sondern je nach Gefühl nicht anhielt oder nicht wegfuhr. Die Kundschaft der Strasse war anonym im Gegensatz zu bestellten Fahrten und erforderte von daher eine erhöhte Vorsicht.

Jede Taxifahrt ist ein einmaliges und einzigartiges Ereignis mit einem persönlichen zwischenmenschlichen Kontakt. Darin liegt auch der ganz besondere Reiz dieser Tätigkeit verborgen. Bei ungezählt vielen Fahrten war unterwegs meine Sicht der Dinge gefragt oder mein Rat gesucht. Grundsätzlich habe ich Fahrgäste während der Fahrt nicht angesprochen, sondern erst auf Fragen geantwortet. Ausser wenn ich ein Schluchzen hörte oder mein Gefühl ein "Alles gut?" verlangte. Wenn nötig war mit mir am Ziel auch ein Gespräch möglich bei angehaltenem Taxameter, also kostenlos.