Biografie von Rolf Pfister in Zürich


Die grosse Leere

Nach meiner Ablehnung des Allmächtigen mit Kirchen-Austritt 1969 im Alter von 16 Jahren, im Zusammenhang mit einer Warum- und Sinnfrage, war für meine Gedanken erst einmal die Endstation erreicht bei einer grossen Leere.

Als ich mir irgendwann später überlegte, welche Farbe eigentlich meine Gedanken hätten und ich im Dunkeln mit geschlossenen Augen in mich selber hinein schaute, stellte ich fest, die Aktivität innerhalb meines eigenen Kopfes hat weder Farbe noch Kontrast. In einem Bild der Erinnerung kann ich mir eine Farbe wohl denken, aber sehen kann ich sie nicht. Mein Interesse war geweckt für das gedankliche Betrieb-System, das Gehirn.


Die grosse psychologische Leere

Das Grosshirn spiegle eine subjektive, stark vergrösserte Wirklichkeit anhand von wenigen herausgefilterten, aber objektiven Informationen, in einen aus Milliarden von Nervenzellen bestehenden, leeren Vorstellungs-Raum. Die vom Menschen als Licht wahrgenommenen Wellen mit einer Länge zwischen 400 und 700 Millionstel Millimetern aus dem elektromagnetischen Spektrum würden als die Komplementärfarben Grün und Rot vom Vorstellungs-Vermögen im Grosshirn wie auf eine riesige Leinwand vergrössert und ergäben das Bild einer farbigen Menschen-Welt, die zwar auch bestehe, in dieser Form aber nicht vorhanden sei.

Die Sinne seien Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen und keine festen Grössen mit Bezug auf Sinnlichkeit, Wahrnehmung und Sinnesreizen. Momentan werde, je nachdem wie gezählt wird, zwischen 8 bis 13 verschiedenen Sinnen unterschieden. In der Psychologie und der Physiologie seien nicht alle Sinnesreize auch Wahrnehmungen, sondern nur diejenigen, die bewusst verarbeitet werden und der Orientierung eines Subjekts dienen.

Andererseits, wenn Gesehenes oder Gehörtes sogar krank machen kann, dann könnte das Gehirn beim Menschen, von einem psycho-physischen Niveau her betrachtet, selber ein Sinn sein, welcher mit Gedanken-Frequenzen gereizt werde und ohne Reiz die bekannte psychologische Leere zur Folge haben kann.

Ohne Sinnes-Reiz wäre das Vorstellungs-Vermögen ein gedankliches Nichts. Folglich ist die psychologisch erfassbare grosse Leere das Fehlen von Sinnesreizen in Form von Gedanken.

Die frühere Sinnfrage konnte ich jetzt über die Herkunft der Wörter auflösen. Das Hauptwort Sinn komme vom Tätigkeitswort sinnen, was nach-denken bedeute. Was Sinn macht, ist demnach abhängig vom Denken in Zusammenhängen, dem Ziel. Ein für sich allein stehender Sinn wäre eine Behauptung. Der Sinn meines Lebens ist darum fortan die Gegenwart als einziger Möglichkeit, Vergangenheit und Zukunft so miteinander zu verbinden, wie ich das für richtig erachte und entsprechend gestalte.

Auch eine behauptete Transzendenz kann ich nun mit sinnen ausschliessen. Die natürliche Hauptaufgabe der Wahrnehmung durch den Menschen bestehe darin, paradox, all jenes nicht wahrzunehmen, was als Realität ständig präsent sei. Weil die Sinnesorgane der Menschen vor allem Veränderungen wahrnehmen könnten: entweder bewege sich das Sinnesorgan, wie die Augenbewegung beim führenden Lichtsinn oder das abzubildende Objekt. Der die Wahrnehmung verlassende Bereich, die Transzendenz, ist folglich in der absoluten Normalität der menschlichen Gegenwart verkörpert. Transzendenz wäre, so gesehen, ein Wahn der Sinne, eine Einbildung.

Den Zustand einer Reiz-Überflutung, Gegenteil der Leere, mit Verlust der Orientierung, kann ich bereits im Ansatz vermeiden. Die dem Menschen angeborene, nicht bewusste Mimik kann umgekehrt auch bewusst verwendet werden. Zwinge ich für mich allein die Muskulatur im Gesicht zu einem grundlosen Lächeln, so hat dies eine Auswirkung auf mein Gemüt und meine Gedanken.

Die Natur mit ihrer Gewalt von Erde und Himmel bildet und begründet mir die unteilbare Wahrheit, monistisch und unabänderlich.