Biografie von Rolf Pfister in Zürich


Auferstehung in der keltischen Kultur

Mein Interesse an der untergegangenen keltischen Kultur im antiken Europa nördlich der Alpen wurde geweckt anlässlich der neugierigen Teilnahme in deutschen Internet-Foren mit Schwerpunkt Esoterik. Dabei fiel mir auf, die spärlichen, nur aus griechischen und römischen Quellen vorhandenen Überlieferungen zu den Kelten wurden durchwegs ausgelegt und gedeutet aus dem aktuellen, also theistischen Blickwinkel, welcher die eingebildete Existenz von übernatürlichen Wesen voraussetzt (oder nicht). Dasselbe beim anschliessenden Studium der vertiefenden Fachliteratur, welche den Kelten einen nicht belegbaren Glauben unterstellt, indem von deren angeblichen Gottheiten geschrieben wird.

Tatsächlich aber bezeugen alle Autoren der Antike ohne Ausnahme und unmissverständlich die Lehre der keltischen Druiden, dass die Seelen und die Welt unvergänglich seien und sich abwechselnd alles umschmelze und erneuere. Alle Kelten hätten sich gerühmt, direkt von den Toten (römisch Dis Pater) abzustammen; der Tod sei die Mitte eines langen Lebens.

Mit diesem eindeutig am Wissen von Natur orientierten Denken, dreieinig monistisch, welches wohlgemerkt aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnis um Jahrtausende vorweg nimmt, sind sowohl die polytheistischen oder theistischen als auch die metaphysischen Vorstellungen anderer Kulturen gar nicht denkbar.

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Einfach und verbindlich die Vorstellung der Kelten
von der gelebten Todlosigkeit einer unvergänglichen Seele,
deren Auferstehung in der anderen, gedachten Welt
[in dieser Welt]
- und, damit möglich -
Lebensfreude, Vertrauen, Sicherheit

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Nach der Eroberung und Besetzung der keltischen Gebiete durch römische Truppen wurden die Druiden-Schulen von römischen Kaisern verboten. Die keltische Kultur verlor dadurch ihre Weiter-Bildung und war dem Untergang geweiht. Durchgesetzt hat sich schliesslich eine vom Klerus gnadenlos und gewaltsam erzwungene Moral-Lehre im Namen des in Worte gefassten Herrn, welcher vermutlich beim altägyptischen Pharao Echnaton mit der vermenschlichten Sonne (Aton) als Gebieter entstanden sei und dann über Palästina die unbesiegte Sonne (Sol invictus) in Rom ersetzte.

Der nunmehr zum Vater gewordene Glaube an einen einzigen Herr-Gott eignete sich vorzüglich zur vermeintlichen Legitimation und Rechtfertigung von Herrschaft über die Anderen. Die angebliche All-Macht, das zuerst angesprochene unbekannte Wesen als Geist-Gespenst in Form von Gott, bezweckt allein die Herrschaft über Untertanen, welchen das Dogma als Religion zum Glauben gelehrt wird.

Bis in die Neuzeit wurde das freie Wissen schaffen durch die Herrschaft behindert, wenn nicht gar bei Todesstrafe verunmöglicht. Das Lehrbuch der Kirche bestimmte das Denken. Erst im 17. Jahrhundert habe der französische Naturforscher Pierre Gassendi die Atomlehre von Demokrit wiederbelebt und damit den modernen Wissenschaften zum Durchbruch verholfen, was der fromme Katholik damals nicht wissen konnte, als er die noch junge Philosophie von Descartes widerlegen wollte.

Die kulturelle Fehlentwicklung begann vermutlich mit dem griechischen Aristoteles (384-322 v.Chr.). Dieser habe die zu seiner Zeit seit etwa einhundert Jahren bestehende, auf Leukipp zurückgehende Atomistik-Lehre von Demokrit verworfen und statt dessen die Welt mit seinen vier Natur-Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer erklärt, was nicht korrekt war, denn Feuer ist kein Naturelement, sondern Umwandlung. Demokrit hingegen sollte mit der Vorstellung vom a-tomon Recht behalten. Damals durchgesetzt hat sich aber nach der auf die Erde geholten sichtbaren Gestirne als heilige Sieben (sieben Wochentage, sieben Weltwunder) nicht die richtige Drei, sondern die Vier als eine Art von Faden-Kreuz (vier geographische Richtungen, vier Jahreszeiten, usw.), im logischen Denken verankert ausschliesslich mit Dualität (unvereinbare Gegensätze). Das Entweder-oder ist, so gesehen, die Grundlage des Theismus mit seiner Zweiteilung in weltlich und geistlich, von Religion mit Himmel und Hölle.

Die Verbindung der klassischen Logik mit einer monotheistischen Religion ersetzte die Dreieinigkeit der gedanklichen Polarität, das war der angeboren gesunde Menschen-Verstand der Zusammenhänge, in der keltischen Kultur vermutlich noch folgerichtig vorhanden. Nach dem weitgehenden Wegfall der Religion als Institution durch die Aufklärung und den Kultur-Riss der beiden Weltkriege innerhalb gleicher Generationen bleibt bei der kulturell transportierten Gesinnung mit zweiteilender Denkweise heute den Einzelnen nur noch die Flucht in beliebige Ersatz-Religion wie Ideologie, Politik, Rechte ohne Pflichten, Esoterik, Sport und dergleichen mehr unter Beibehaltung der klassischen Logik, das sei die Ja-oder-Nein-Roboter-Logik der Computer-Maschinen-Sprache mit 0-oder-1.

Resultat wäre aktuell ein Schwarz-Weiss-Denken mit Wortklauberei und Rechthaberei auf allen Ebenen bis hin zu Anfeindung und Übergriff.

Dreieinigkeit als logisches Denkmuster


Unterschied Dreieinigkeit keltisch und germanisch

Eine Dreieinigkeit vielleicht noch echt keltischen Ursprungs fand ich bei Hildegard von Bingen [1098-1179] in ihrem Buch Scivias - Wisse die Wege (2. Teil, 2. Vision). Die Visionsgabe der Leiterin der Bendiktiner-Frauenklause Disibodenberg in der Nähe von Mainz, ein Ort, wo sich bereits um 640 der irische Mönch Disibodus auf der vormals keltischen und später römischen Kultstätte angesiedelt hatte, wurde im Jahre 1147 von Papst Eugen III. autorisiert [nachstehender Auszug ohne den Bezug zur Bibel im Original]:

Es gibt drei Kräfte im Stein, drei in der Flamme und drei im Wort.

Im Stein ist feuchte Grünkraft, greifbare Festigkeit und glänzendes Feuer. Er besitzt aber die feuchte Grünkraft, damit er sich nicht auflöse und auseinanderfalle, die greifbare Festigkeit jedoch, damit er Wohnung und Schutz biete, ferner das glänzende Feuer, damit er sich erwärme und dauerhaft festige.

Die Flamme besteht aus hellem Glanz, purpurfarbener Grünkraft und feuriger Glut. Sie hat aber den hellen Glanz zum Leuchten, die purpurfarbene Grünkraft zum lebendig sein und die feurige Glut zum Brennen.

Im Wort ist Klang, Kraft und Hauch. Es hat aber den Klang, damit man es hört, die Kraft, damit man es versteht und den Hauch, damit es ans Ziel gelangt.

Wie deshalb im Stein keine feuchte Grünkraft ohne greifbare Festigkeit und glänzendes Feuer, und die greifbare Festigkeit nicht ohne feuchte Grünkraft und glänzendes Feuer, und das glänzende Feuer nicht ohne feuchte Grünkraft und greifbare Festigkeit da ist und wirkt; und wie in der Flamme kein heller Glanz ohne purpurne Grünkraft und feurige Glut, und die purpurne Grünkraft ohne hellen Glanz und feurige Glut, und die feurige Glut ohne hellen Glanz und purpurne Grünkraft nicht da ist und wirkt; und wie im Wort ohne Kraft und Hauch kein Klang, und ohne Klang und Hauch keine Kraft, und ohne Klang und Kraft kein Hauch da ist und wirkt, sondern alle bei ihrem Werk untrennbar zusammenhängen, so bleiben auch diese drei Teile der wahren Dreifaltigkeit untrennbar und werden nicht geschieden.

Ebenso wie Hildegard von Bingen hier, vermutlich missionierend, zu damals offenbar noch keltisch-monistisch denkenden Zeitgenossen spricht, haben die früheren Druiden vielleicht eine Drei-mal-Drei-Folgerichtigkeit verwendet. Eine solche Trinität hätte noch heute uneingeschränkte Richtigkeit, aber immer natur-wissenschaftlich:

  1. Den Drei-Schritt der Entwicklung als biologische Selbststeuerung durch Rückkopplung. Das sei ein Schritt zurück und zwei Schritte vor [Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft].
  2. Die drei in sich abgeschlossenen Entwicklungsstufen des Denkvermögens mit Stammhirn, Zwischenhirn und Grosshirnrinde [Ahnung-Glauben-Denken].
  3. Die dreistufige angeborene Denk-Funktion [Erkennen-Unterscheiden-Auswählen], welche bereits für die ersten lebenden Urzellen zwingend war.

Damit ich überhaupt irgendetwas denken (erkennen) kann, muss zwingend eine Unterscheidung und ein Vergleich stattfinden können. Diese Denk-Struktur ist angeboren bereits im Stoffwechsel von organischen Zellen vorgegeben mit Abgrenzung und Durchlässigkeit: erkennen, unterscheiden, auswählen.

Dreieinigkeit ergibt sich von selbst durch die Vermeidung und Aufhebung der Dualität (Zweiteilung) bei zwei sich zwingend bedingenden Tatsachen mit dem Inhalt dazwischen (Geburt/Tod usw.). Aus einer solchen natürlichen Polarität, nämlich der sich gegenseitig zwingend bedingenden weiblichen Eizelle und der männlichen Samenzelle entsteht auch die logische Eins, der Gegensatz zur Null, in Form der Einzel-Person.

Gefühl und Glauben und Denken bewirken in mir vereint einen persönlichen Zustand der Trinität, die Seele. Diese Ausführungen sollen keinen Glauben darstellen, ich glaube sowieso und ohnehin nicht, sondern ich beschreibe hier meine die von mir denkbaren, mehr oder weniger fundierten Vorstellungen der Zusammenhänge.

~ zeitlos gegenwärtig ~