Das moderne Weltbild

Die zeitgenössische Erklärung der Welt

Sich die Welt so vorzustellen [= Welt-Bild] wie sie gemäss aktueller Erkenntnis der Physik tatsächlich ist setzt ein unangenehm anstrengendes Denken voraus. Das Jetzt, der real physikalische Moment, ist der Zeit-Messung entzogen bzw. zeitlos: Die exakte Gegenwart ist der Beobachtung nicht zugänglich [Heisenbergsche Unschärferelation] und von daher ist die Gegenwart bezüglich Zeit kein Gegenstand der Physik. Wenn jene von Menschen die Welt genannte Wirklichkeit tatsächlich zeitlos-gegenwärtig ist, dann kann jeder Bezug auf diese Zeit ohne Zeit mit Vergangenheit oder Zukunft nur ein menschliches Konstrukt sein, so paradox dies klingen möge.

Ein modernes Weltbild erfasst die Denk-Konstante namens Zeit als 4. Koordinate im Raum. [Im Gegensatz zur absoluten Zeit resp. Zeit-Messung in der früheren Physik]. Der Grundlagen-Irrtum von absolut eigenständiger Zeit in der Physik von Isaac Newton [1643-1727] wirkt bis heute im spirituell ideellen Denken.

Selbstverständlich kann eine Zeit-Dauer durch Zeit-Messung anhand einer vorher bestimmten physikalischen Grösse fixiert werden, aber solche Zeit hat im Weltbild mit Zeit-Raum-Kontinuum keine Bedeutung. Ein gedankliches Problem besteht darin, dass der vom Menschen gelebte scheinbare Zeit-Verlauf auch unbewusst mitgedacht wird entweder als endloser Kreis oder linear mit Anfang obwohl tatsächlich ausschliesslich Gegenwart stattfindet. Das den Menschen angeborene waren [= sehen] führt mit deutscher Grammatik über war-nehmen zur vermeintlichen Wahrnehmung und diese vernebelt die Sinne wie beispielsweise mit Alles fliesst [panta rhei], Schöpfung, Urknall [big bang] und dergleichen mehr.

Ein Weltbild als eigenständiger Begriff ist nur im Deutschen vorhanden. Anderssprachige haben kein Weltbild, sondern ein Bild von etwas [image du monde, image of the world usw.] Das deutsche Weltbild hingegen setzte die ebenfalls deutsche Welt [von wer-alt = Mensch-Zeitraum] vor das Bild dieser Zusammenhänge. Der Erstbeleg für den deutschen Ausdruck uuerlt-pilde = Weltbild als Übersetzung von lat. forma ideaque mundi, Gestalt und Idee von Allem, stammt von Notker III. [950-1022], genannt Notker Labeo, Notker Teutonicus oder Notker der Deutsche, ein Benediktiner-Mönch der Kloster-Schule St. Gallen in der Deutsch-Schweiz.

Von Bedeutung ist die gegenseitige Wechsel-Wirkung von Bild und Welt. Die Welt-Ansicht führt zu einem Weltbild und umgekehrt. Das kulturell vorbestehende Bild [= Weltbild als Resultat einer früheren Weltanschauung] prägt die Denkart, Denkweise, Gedanken, Ideologie, Philosophie etc. und ermöglicht die gegenwärtige Weltauffassung, Weltsicht usw.

Die Bildung resp. Weltanschauung erzeugt also das Weltbild. Mit einem menschlich bedingten nicht-erkennen und nicht-wissen kann eine gefühlte Einbildung entstehen. Die Wahrnehmung von Realität wird ersetzt durch einen Gegensatz von weltlich und nicht-weltlich, [meist göttlich im Sinn des angeblich Gesamten welches das vermeintliche Ganze, die Welt, beinhalten soll; der Trugschluss wirkt nun gedanklich als Paradoxon resp. Zirkel-Schluss].

Der sprachliche Welt-Begriff bildet eine solche Einbildung als Weltbild: Das tatsächlich vorhandene offene Nicht-Ganze [reales Chaos] wird gedanklich klar falsch ebenfalls als Welt = Ganzes erfasst und verankert sich als gläubige Behauptung, da wäre wirklich etwas wie die Welt als Gesamtes.

Ein modernes Weltbild als Vorstellung eines offenen, nicht als Ganzes erfassbaren IST-Zustandes im JETZT, ohne vorher und ohne nachher, ohne Anfang und ohne Ende entzieht sich noch weitgehend dem gesunden Menschen-Verstand auf dem gegenwärtigen Standard der allgemeinen Bildung, welche nach wie vor geprägt wird von Lehren vergangener Jahrhunderte, obschon diese zwischenzeitlich resp. schon längst durch besseres Wissen ersetzt worden sind. [Zeit-Begriff, Raumzeit-Kontinuum, Unschärfe-Relation].

Mensch erkennt als wirklich die verschiedenen Dinge, Kraft und Bewegung in Übereinstimmung mit real vorhandener Energie, Masse und Geschwindigkeit. Zwischen der gedanklichen und der physikalisch nachweisbaren Sichtweise besteht mit Bezug auf Welt sachlich kein Unterschied.

Nach heutiger Betrachtungsweise [2015] ist die Bezeichnung Welt in Bezug auf den natur-wissenschaftlichen Erkenntnis-Horizont deckungsgleich mit dem bekannten Universum oder Kosmos und allen seinen Bestandteilen. Die Bezeichnung weltweit bezieht sich meist nur auf die Erde, nicht auf das Universum. Weltbild bedeutet die Vorstellung von der Welt [heute aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, früher aufgrund philosophischer bzw. metaphysischer Behauptungen].
Erkenntnis aus der Quantenphysik führt in der Physik zu einem Paradigma-Wechsel. Möglicherweise handelt es sich bei jenem Ganzen was bisher als die Welt bezeichnet wird um Information als gedankliches Universum, bestehend aus der kleinsten Einheit, dem Bit. Eine der Folgen aus der Quantenunschärfe ist, dass Materie spontan aus dem Nichts auftauchen kann und sogleich wieder verschwindet [Vakuum-Fluktuation]. Demnach könnte Alles bestehen aus dem Nichts [und umgekehrt], einem wabbernden Meer von virtuellen Teilchen. Ebenso kann das drei-dimensionale war-nehmen [= Wahrnehmung] von Realität durch den Menschen eine Einbildung sein, eine Illusion, vergleichbar einer holografischen zwei-dimensionalen Konstruktion. Das heisst, mit anderen Worten, da wäre nur Energie und-oder Masse, zeitgleich beides gleichzeitig in Form von jenem was IST; da wäre gar keine Welt, kein Universum oder wie die althergebracht üblichen 3-D-Vorstellungen alle benannt werden mögen.

Erst durch das Quanten-Bit wird aus dem Atom menschliche Erkenntnis, denn: Was sind Gedanken? Die empirisch verifizierte Unschärfe-Relation, also dass nur entweder die Position oder dann die Geschwindigkeit im vier-dimensionalen Raumzeit-Kontinuum, also sich gegenseitig bedingend Raum und Zeit, exakt erfassbar sind, darf nicht ausgeklammert, verneint oder verleugnet werden im virtuell gedanklichen, also dem ideellen, philosophischen oder religiösen.

Mit Bezug auf eine festgestellte Ausdehnung vom [Welt-]Raum wird dadurch der Anfang mit Urknall oder dergleichen nicht zwingend, vielmehr kann auch die Expansion selber eine Singularität abbilden.

Indem der Mensch versuchte, eine für ihn befremdliche Wahrnehmung als war-nehmen zu verstehen, machte er sich nach dem noch korrekten magischen ersten Weltbild ein nicht-wissenschaftliches, ein philosophisches Weltbild zu eigen. Seit aus der früheren Vorstellung der Welt als flacher Erdscheibe mit Himmelszelt ein Planet geworden ist, der um einen Stern kreist, ist keine Neuordnung grundsätzlicher Natur mehr vorgenommen worden, was zur Folge hat, dass die verschiedenen in sich korrekten Teilaspekte des zurzeit bekannten Wissens je länger je mehr kein ebenfalls richtiges Gesamtbild ermöglichen.

Der einzelne Mensch verliert dadurch den Kontakt zur Realität, ohne es zu bemerken, weil er für die Entwicklung des Realitätsinnes als Methodik der Wahrnehmung als war-nehmen auf die Weitergabe wenigstens eines Weltbildrahmens durch die vorbestehenden Generationen angewiesen ist, da es aus verschiedenen Gründen fast unmöglich erscheint, alle Menschen könnten den dazu nötigen Aufwand selber betreiben. Es gehört allerdings auch zu den tristen Einsichten ins Wesen der Zeitgenossen, dass scheinbar für die überwiegende Mehrheit aller Menschen mit der obligatorischen Schulzeit auch die bewusste Weiter-Bildung beendet ist.

Bereits die Bewegungsgesetze nach Isaac Newton um 1700 machten der Vorstellung von der absoluten Position im Raum ein Ende; die Relativitätstheorie nach Albert Einstein um das Jahr 1900 jener von der absoluten Zeit. Trotzdem haben in der vermeintlichen Beständigkeit des individuellen Lebens Zeit und Raum in der Vorstellung noch immer scheinbar ewigen Bestand, obschon es beide für sich allein genommen gar nicht mehr gibt [Zeitbegriff].

Warum also dringen die fundamentalsten Erkenntnisse über die Welt nicht als erweitertes Vorstellungsvermögen in das sich von etwas bewusst sein [nicht gleich der ideologischen Behauptung vom Sein mit dem Sinn-Bild vom Bewusstsein] der Menschen? Es scheint fast so, als ob irgend etwas die Menschen daran hindern würde, an die Wahrheit [Naturgewalt von Himmel und Erde] der unbekannten Realität zu glauben und statt dessen eine verzerrte Wahrnehmung der bekannten Wirklichkeit langsam, aber sicher, an die Stelle eines zeitgenössischen Weltbildes rückte.

Damit die Entstehung der gedanklichen Ebene, welche ein modernes Weltbild überhaupt erst ermöglicht, verständlich werden kann, ist es unabdingbar, einen kurzen Ausflug in die Geschichte zu machen, was aber eine ausführlichere Beschäftigung mit diesem faszinierenden Thema nicht ersetzen kann.

Auffällig und kaum zufällig ist, dass verstärkte denkwissenschaftliche Phänomene nahezu zeitgleich mit Zentrum vor ungefähr 2500 Jahren überall auf der Erde zu beobachten sind. Es ist, als hätten damals alle Erdenbürger innert weniger Generationen und unabhängig voneinander plötzlich Bedarf nach gedanklicher Erleuchtung verspürt, so wie wenn nach Jahrmillionen der Entwicklung der menschlichen Bewusstwerdung bei allen Menschen unabhängig des jeweiligen unterschiedlichen Lebensraumes und Vorstellungsvermögen eine Art Zündung des Denkens stattgefunden hätte. Die noch heute berühmten Namen wie Konfutse, Zarathustra, Pythagoras, Laotse, Siddharta, Platon, Aristoteles und viele andere Denkenden jener Zeit haben eines gemeinsam: Sie lebten alle im 6. bis 4. Jh.v.Chr. und sind als grosse Entdecker in die Geschichte eingegangen.

Unabhängig der unterschiedlichen gedanklichen Inhalte kann man sich vielmehr vor Augen halten, was da eigentlich passierte, als damals Menschen begannen, sich die Welt erklären zu wollen und beispielsweise im klassischen Griechenland neben der schon erwähnten Weiterentwicklung von Arithmetik, Mathematik und Geometrie auch das Unvorstellbare rational begründeten. Jenes wissen zu wollen, was man noch nicht weiss, wurde zur Vorbedingung der Philosophie. Ein rationales Denken als Vorstellung löste sich von der gefühlsbetonten Meinung aus einer Ahnung ab und bewirkte eine intellektuelle Revolution: Das Wissen, dass es eine Welt gibt, führt ebenfalls nahezu zeitgleich zur Entstehung von diversen, vorerst regionalen Religionen.

Man betreibt noch heute in gläubigen Kreisen allzu leichtfertig Grundlagenirrtum, indem man verschweigt oder gar verneint, dass beispielsweise die theistische Trennung zwischen Schöpfung und Schöpfer erst dann erfolgen konnte, nachdem die Materie der Welt erklärt ist. Die Weltreligionen basieren ausnahmslos auf einem Weltbild als sich dessen bewusst zu sein, dass es eine Welt gibt und sind daher aus heutiger Sicht als Übergang zwischen Gefühl und Glauben zu bezeichnen.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Mensch, der nicht weiss, dass es eine Welt gibt, auch keinen Schöpfer dieser fiktiven, noch nicht existenten Welt erfinden kann und trotzdem sowohl dieser Mensch wie auch die Umwelt vollumfänglich existent wären. Man würde den Religionen allerdings nicht gerecht, wenn sie aus heutiger Sicht einfach als im Nachhinein überflüssige Erfindungen bezeichnet würden. Ich werde später im Zusammenhang mit dem religiösen Impuls aufzeigen warum.

Bis zur Neuzeit galt nahezu unangefochten das geozentrische Weltbild des Ptolemäus mit einer von Gott erschaffenen Erde als Mittelpunkt der Welt. Dann kam das 16. Jh., die erste Erdumsegelung gelingt; Kopernikus veröffentlicht die Theorie des heliozentrischen Sonnensystems, die besagt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht wie bisher angenommen die Sonne um die Erde kreist; Galilei entdeckt physikalische Gesetze, das Fernrohr und das Mikroskop werden erfunden. Die Frage nach der Natur der Schöpfung musste neu gestellt werden. Doch die intellektuelle Revolution geht unerbittlich weiter. Mitte des 17. Jh. entdeckt Boyle die chemischen Elemente, was 1808 durch Dalton zur modernen Atomtheorie der Materie führt; Isaac Newton begründete die klassische Physik. 1860 erschüttert Darwin die Menschheit mit der Erkenntnis, dass auch der Mensch Teil der Natur ist und nicht als Ebenbild Gottes ausserhalb von ihr stehe. Und erst fast vorgestern, nämlich 1916, gelingt Einstein mit der Allgemeinen und der Speziellen Relativitätstheorie der Vorstoss ins atomare Innere und ein mathematisches vierdimensionales Raumzeitkontinuum.

Wenn man bedenkt, dass die Generationen zwischen 1850 und 1950 neben diesen gedanklichen Revolutionen auch noch Nationalstaatenbildung, Industrialisierung, Klassenkämpfe und zwei Weltkriege zu bewältigen hatten, nebst den täglichen Lebensaufgaben wohlverstanden, die sich alle auch gewohnt sind, erstaunt der weltanschauliche Scherbenhaufen, den ich heute vorfinde, eigentlich nicht mehr. Diese enorme Überforderung mehrerer aufeinander folgender Jahrgänge hat mit Sicherheit einen Kulturriss verursacht, dessen Auswirkungen heute erst teilweise zu erahnen sein mögen.

Es ist also auch kein Zufall, wenn die Weitergabe des Weltbildes in unserem Kulturkreis mit dem zweiten Weltkrieg ihr Ende hatte. Die Generationen des ersten Krieges erzwangen noch eine Übernahme durch den Nachwuchs trotz Selbstzweifel, die Generationen des zweiten Weltkrieges wahrten nur noch den Anschein mangels Alternativen und überliessen ihre Kinder bereits weitgehend der Selbsterklärung, für die nachfolgenden Generationen war die Religion schon kein grundsätzliches Thema mehr, sondern relativ in dem Sinn, dass Handeln und Denken nicht mehr übereinstimmten.

Wie durch das Relativieren von Religion und Weltanschauung die reale gedankliche Dimension selbst ihrer Wurzeln beraubt wurde, beginnt einzelnen Menschen in Europa heute erst langsam zu dämmern, indem je länger desto deutlicher Missverständnisse individueller Art sichtbar werden, die den gemeinsamen Nenner des europäischen Individualismus unbemerkt negieren, nämlich den der Eigenverantwortung für die Freiheit selbst. Als typisch europäisch gilt das Streben nach Ungebundenheit und Selbstverwirklichung verbunden mit einer grossen Fähigkeit, auch fremde Errungenschaften nach eigener Art zu verändern und weiter zu entwickeln, und zwar unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit dem Neuen.

Andererseits haben in Europa bereits die Fürsten der Hallstattzeit und nach ihnen ebenso die Kelten und Germanen keinerlei Anstrengungen unternommen, die auf einen grösseren Zusammenschluss in politischer Sicht hinweisen würden. Selbst die Hellenen, die als ein kulturelles Vorbild der frühen Europäer gelten, schlossen sich nur ein einziges Mal zusammen, als die persische Macht ihre Freiheit bedrohte und zerfielen nach der Gefahr wieder in die früheren Zwistigkeiten aus dem Streben nach Individualität. Die spätere Weltmacht Rom war dann bereits eine Herrschaft militärischer Macht und Gewalt von Wenigen über Viele, die eine im europäischen Charakter begründete Rivalität selbst gegen engst verwandte Stämme und Angehörige für kurze Zeit ausnutzen konnte.

Durchgesetzt hat sich aber schliesslich das Gemeinwesen der freien Hofbauern mit dem Vater als oberster Autorität seiner Familie, wie es in dieser Art in keinem anderen Erdteil je entstanden ist. Nebst dieser Eigenart hatte der alteuropäische Ackerbauer und Viehzüchter seinen ererbten Anspruch auf eigene Jagdrechte von den Jägern, die vor ihm durch das Land streiften. Aus der ursprünglichen Arbeitsteilung hat sich hier ein feines Gespür für das gerechte Wirken des Individuums zur rechten Zeit am richtigen Ort herauskristallisiert. Allmend, Korporation, Föderation - gemeinsam sind Menschen stark, aber nur, wenn und solange dies unbedingt notwendig ist. Vorher und nachher ist der Konkurrenzkampf der Gleichen unter Gleichen.

Das Prinzip der Subsidiarität, also der an sich grundlose Zusammenschluss zwecks ständiger imperialer Grösse, wie es zurzeit unter dem Sinnbild der Globalisierung von vereinzelten Sachzwängen in Europa durch wesentliche Parteien wieder vertreten wird, widerspricht dem Charakter sowohl der Völker wie auch der Bevölkerung als Personen. Den imperialen Traditionalismus haben damals die germanischen Königreiche nämlich als Erben und Nachfolger des Römischen Reiches übernommen, ohne dafür eigene Wurzeln zu entwickeln.

Die Epoche, die von allen germanischen Völkern als heroisches Zeitalter gefeiert wurde, ist in der Rückschau nicht viel mehr als ein zielloser Aufruhr der Wanderung von Verbänden. Konstruktiv war aber die Vermischung der Germanen mit der jeweiligen Bevölkerung, es entstanden neue Gesellschaftsformen. Durch die Westgoten in Spanien, Vandalen in Afrika, Ostgoten in Italien, Sachsen in England und Franken in Frankreich. Diese Mischvölker hatten trotz aller Unterschiede auch gemeinsame Merkmale der eigenen Entwicklung, z.B. einen germanischen König, verbunden mit Übernahmen aus der Erbschaft des römischen Reiches.

Die Besonderheit besteht darin, dass der kulturelle Nachlass während dem Niedergang der weltlichen Macht Roms in die Hände einer erst im Entstehen begriffenen kirchlichen Führung des gleichen, dem Untergang geweihten Staates geriet. Aus der Symbiose von König- und Priestertum wurde ein pragmatischer Kampf um die politische Vorherrschaft über Menschen zwischen den sich selbst verwaltenden Bischofsitzen und den Königshäusern.

Die Menschen selbst sind seither im Grunde genommen keine sich selber bestimmenden Menschen-[Seelen] mehr, sondern nur noch Funktionsträger von Ideen. Auf diesem Hintergrund basiert bis heute auch kein Weltbild, was ich im folgenden wenigstens schemenhaft aufzuarbeiten versuche.

 

© bzw. Autor: Rolf Pfister Zürich
Der Geist fiel nicht vom Himmel   ««   Inhalt-Verzeichnis   »»   Vom Glauben zum Denken